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Was sind die größten Keimquellen im Alltag?

Vor allem Frauen ekeln sich oft vor dem stillen Örtchen. Doch die meisten Erreger tummeln sich dort, wo wir es eher nicht vermuten


Die Toilette schrubben wir regelmäßig, in der Küche achten wir oft nicht penibel auf Reinlichkeit

Wir können sie nicht sehen, aber sie sind da. Sie sind zäh, stellen kaum Ansprüche und können sich rasend schnell verbreiten: Bakterien und Viren. „Unsere ganze Umgebung lebt sozusagen“, sagt Professorin Constanze Wendt, Mikrobiologin am Institut für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie der Universität Heidelberg.

Sicher bevölkern Heerscharen von Mikroben die Klobrille, oder? „Die wird immer überschätzt“, besänftigt Wendt. Keime wollen schließlich gemütlich wohnen. Und dafür scheint der Toilettensitz eher ungeeignet zu sein. Er ist schlicht zu trocken. Keime fühlen sich wohl, wenn es in ihrer Umgebung feucht ist.



Computer-Tastaturen beherbegen vorwiegend Hautbakterien

An Feuchtbiotopen ständen in Haus und Wohnung unter anderem Kühlschränke, Waschlappen, Duschen oder Sodawasser-Spender zur Verfügung. Und tatsächlich: Solche Gebiete besiedeln Keime ziemlich gerne. Forscher der University of Colorado in Boulder (USA) untersuchten 45 Duschköpfe. 30 Prozent der Brausen beherbergten Bakterienkolonien vom Typ Mycobacterium avium, das bei schlechter Abwehrlage die menschliche Lunge befallen kann.

Glaubt man den Zahlen von Charles Gerba, Mikrobiologe an der University of Arizona (USA), halten sich in amerikanischen Kühlschränken pro Quadratzentimeter etwa 11,4 Millionen Bakterien auf. Vor allem das Kondenswasser an der Kühlschrank-Rückwand gilt als Keimquelle.

„Wasch- und Reinigungslappen würde ich auch nicht über den Weg trauen“, sagt Wendt. Die trocknen nicht sonderlich schnell, werden immer wieder benutzt und bieten damit perfekte Mikroben-Bedingungen. Charles Gerba kann für Küchenutensilien wieder eine nette Zahl liefern: Unfassbare sieben Milliarden Bakterien würden sich auf einem großen Geschirrtuch oder Spülschwamm tummeln. Da klingen die bis zu vier Millionen Mikroorganismen auf einem Spüllappen, die der TÜV Süd 2007 verlauten ließ, geradezu lächerlich.

„Die meisten Bakterien sind aber Umweltkeime, zum Beispiel Bazillus-Arten, die einem gesunden Menschen in der Regel nichts anhaben“, beruhigt die Heidelberger Expertin. Wer allerdings auf seinem Küchenbrett erst das Hühnchen und danach den Salat zerkleinert, kann schon mal Salmonellen von A nach B übertragen. Mit dem Brech-Durchfall geht es dann manchmal schnell.

Da die Küche nur so von Bakterien wimmelt: Bleiben wir wenigstens im Büro verschont? Enttäuschenderweise nicht. Ob Tastatur, Maus, Türklinke oder Telefon, ohne Keime kommt keiner der Gegenstände aus. Wenigstens vermehren sich die unsichtbaren Wesen dort nicht rasant. Dafür sind die Oberflächen zu trocken. „Außerdem handelt es sich vorwiegend um ungefährliche Hautbakterien“, weiß Wendt. War allerdings einer unserer Kollegen an Noroviren erkrankt, kann er durchaus die krankmachenden Keime auf Türklinken oder Geländern verteilen.



Übeltäter Geschirrtuch: Darauf halten sich besonders viele Keime auf

Zu allem Überfluss betätigt sich auch die Waschmaschine als Keimschleuder. Bei 30 Grad und einem milden Waschmittel, verschwinden weder Bakterien, Pilze noch Viren aus den Klamotten. Dafür bedarf es Temperaturen von mindestens 60 Grad. Gerba, der Forscher aus Arizona, schreibt gar, bestimmte Viren könnten während des Waschvorgangs von einer auf die nächste Unterhose springen und so alle Kleidungsstücke verseuchen.

Sodawasser-Geräte und Wasserspender, die zum Beispiel in Arztpraxen stehen, werden – wer hätte es gedacht – auch unterwandert. Das Bundesinstitut für Risikobewertung testete das Wasser aus 799 Behältern. Ein Drittel war mit Bakterien belastet. Fäkalkeime wie Escherichia coli kamen ebenso vor wie der Erreger Pseudomonas aeroginosa, der Atemwegsinfekte hervorruft.

Kommen wir in Versuchung, der Erreger Herr zu werden, sollten wir es mit der Reinlichkeit nicht übertreiben. „Wer Händedesinfektionsmittel ungezielt und eventuell falsch anwendet, kann eine Reizung oder Schädigung der Haut provozieren“, gibt die Heidelberger Mikrobiologin zu Bedenken. Normales Hände waschen mit Seife genüge in der Regel. Im Einzelfall – zum Beispiel wenn ein Familienmitglied krank oder geschwächt ist – sind keimabtötende Lösungen allerdings  angebracht.

Für Toilette, Kühlschrank oder Spüle gilt: Herkömmliche Haushaltsreiniger mit Essig reichen aus. Es müssen keine überteuerten Mittel mit Extra-Keimschutz herhalten. Die berühmt-berüchtigten Waschlappen gehören entweder nach kurzer Zeit in den Müll oder sollten regelmäßig heiß gewaschen werden.

Zur Beruhigung: Die meisten Keime schaden uns nicht, solange unser Immunsystem intakt ist. Lediglich Erreger wie Salmonella, Pseudomonas aeroginosa oder Noroviren können hin und wieder eine Infektion auslösen. Menschen, deren körpereigene Abwehr beeinträchtigt ist, sollten dagegen besonders auf Reinlichkeit in ihrer Umgebung achten.



Dr. Martina Melzer / www.apotheken-umschau.de; 18.12.2009, aktualisiert am 12.01.2012
Bildnachweis: PhotoDisc/RYF, iStock/wakila, Jupiter Images GmbH/Photos.com

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