Stimmt es, dass man vom Eisschlecken Kopfweh bekommt? Ist der Eis tatsächlich ein Dickmacher? Und wer hat die kühle Leckerei erfunden? Wir nehmen verbreitete Behauptungen unter die Lupe:
1. Eis ist eine Kalorienbombe. Das trifft glücklicherweise nicht immer zu! Eine Kugel (75 Gramm) Fruchteis – wie Zitrone oder Himbeere – kommt auf rund 100 Kilokalorien. Die gleiche Menge Milcheis, zum Beispiel Vanille oder Erdbeere, enthält etwa 150 Kilokalorien. Die Sorte Schokolade zirka 170 Kilokalorien.
„Ein Eisbecher Vanilleeis mit Schokosoße und einer Portion Sahne ist allerdings schon eine Kalorienbombe“, sagt Antje Gahl, Ernährungswissenschaftlerin bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Diese Eisdielen-Variante weist über 400 Kilokalorien auf. Es gilt also: Eine Kugel in Ehren, kann niemand verwehren. Testen Sie jedoch nicht die komplette Speisekarte Ihrer Lieblingsgelateria durch!
Kaufen Sie ein Eis am Stiel aus dem Supermarkt, achten Sie besser ebenfalls auf die Nährwertangaben. Denn ein Vanilleeis mit Schokoladenüberzug und Mandelsplittern kommt schnell auf gut 300 Kilokalorien.
2. Fertiges Speiseeis aus dem Supermarkt ist gar kein „echtes Eis“ mehr. Da ist manchmal etwas Wahres dran. Denn Eisfabrikanten mischen zum Teil kein Milchfett, sondern das günstigere Palmfett in ihre Rezepturen. Steht auf einer Eispackung „Eis“ statt „Eiscreme“, steckt wahrscheinlich die Billigvariante drin. Verwendet der Hersteller den Begriff „Eiscreme“, müssen im Produkt mindestens 10 Prozent Milchfett enthalten sein. Steht lediglich „Eis“ auf der Eispackung, fällt diese Vorgabe weg. Nicht nur Milchbauern ärgern sich darüber, sondern auch Verbraucherschützer kritisieren, dass die Bezeichnungen irreführend seien.
3. Vanilleeis ist der Renner schlechthin. Stimmt. Zumindest, wenn man einer Umfrage glaubt, die die Union der italienischen Speiseeishersteller gemacht hat. Demnach schwören die Deutschen nach wie vor auf Vanille, Schokolade und Haselnuss. Diesen Top-Kandidaten folgen Stracciatella, Latte macchiato und Sahne-Kirsch. Nichts desto trotz gibt es ständig neue Eiskreationen – von „Schoko-Ingwer“ bis „Marshmellow-Kaugummi“.
4. Die frostige Schleckerei kann spontan Zahnschmerzen verursachen. Richtig. „Die Zahnnerven reagieren auf Temperaturreize, kaltes Eis kann auf diese Weise Zahnschmerzen auslösen“, erklärt Dr. Jens Nagaba von der Bundeszahnärztekammer. Besonders wenn die Zähne durch Karies geschädigt sind, bereiten Kälte, Wärme und Süßigkeiten Probleme.
5. Manche Menschen reagieren auf Eis mit Hustenreiz. In der Tat gibt es Menschen, die nach einem leckeren Eisbecher plötzlich husten. „Vermutlich regt die Kälte temperaturempfindliche Rezeptoren an, die den Trigeminusnerv reizen“, sagt Professor Heinz Reichmann von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. Dieser Nerv zieht ins Gehirn und aktiviert dort unter anderem das Hustenzentrum. Weitere mögliche Erklärung: Ein anderer Nerv, der Vagusnerv, löst den „eisigen“ Hustenreflex aus.
6. Eis ist nicht gleich Eis. Genau! Wer sich mit Speiseeis ein wenig auskennt, unterscheidet diverse Sorten. Cremeeis darf sich die kühle Leckerei erst nennen, wenn sie mindestens 50 Prozent Milch und 90 Gramm Eigelb enthält. 70 Prozent Milch, dafür aber keine Eier, bedarf es für Milcheis. Für die Bezeichnung Eiscreme kommt es nur auf den Anteil an Milchfett an – mindestens 10 Prozent müssen es sein. Stammt das Milchfett aus Schlagsahne (zu 60 Prozent), sprechen Experten von Sahneeis oder Rahmeis. Fruchteis besteht zu mindestens einem Fünftel aus Früchten, Sorbet muss einen Fruchtanteil von wenigstens 25 Prozent aufweisen. Stecken Zitrusfrüchte darin, reduziert sich der Anteil jeweils. Wassereis enthält kaum Früchte oder Milchfett, dafür aber künstliche Aromastoffe und Lebensmittelfarben. Softeis ist nicht wirklich eine Sorte, es wird aber speziell hergestellt. Ein Apparat friert die Zubereitung ein und schäumt sie anschließend auf. Das Eis wird gleich gegessen.
7. Im Sommer entwickelt sich die kalte Köstlichkeit zur Bakterienschleuder. Vor allem Softeis galt eine Zeit lang als Quelle für Salmonellen, wenn die Betreiber die Automaten nicht richtig gereinigt hatten. Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit untersuchte aber 2008 insgesamt 1072 Eisproben. Ergebnis: Kein Speiseeis enthielt Keime wie Salmonellen oder Listerien – weder das aus der Eisdiele, noch das aus Cafes oder Restaurants. Die Behörde hält Speiseeis deshalb für ein „sicheres Lebensmittel“. Und auch für Softeis gibt zumindest das bayerische Landesamt Entwarnung. 2007 nahmen die Kontrolleure 81 Softeisproben unter die Lupe, hatten aber nichts zu beanstanden.
8. Die Italiener haben´s erfunden. Weit gefehlt. Angeblich haben bereits 3000 vor Christus Chinesen und Griechen eine Art Eis zubereitet. Kuriose Zutaten wie Gletschereis oder Schnee, aber auch Fruchtmark und Honig gehörten damals wohl zu den Bestandteilen. Die erste Eisdiele hat jedoch vermutlich ein Italiener eröffnet – allerdings in Paris …
9. Speiseeis löst Kopfweh aus. Tatsächlich gibt es eine Kopfschmerzart, die Mediziner als „Kälte- oder Eiscreme-Kopfschmerz“ bezeichnen. Warum manche einen Brummschädel bekommen, wenn sie Eis schlürfen, ist noch nicht genau bekannt. Vermutlich reizen Kälterezeptoren im Gaumen den sogenannten Trigeminusnerv (fünfter Hirnnerv), der dann Schmerzsignale ins Gehirn leitet.
10. Die Deutschen schlecken jede Menge Eis. Und ob! Rund acht Liter Speiseeis verdrückt jeder Bundesbürger durchschnittlich im Jahr.
Dr. Martina Melzer / www.apotheken-umschau.de;
21.05.2010, aktualisiert am 12.06.2011
Bildnachweis: istock/pixdeluxe, istock/perkmeup
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