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Warum Trinken so wichtig ist

Wer viel Wasser trinkt, soll angeblich leichter abnehmen. Diese und andere Behauptungen haben wir von Experten bewerten lassen


Lebenselixier Wasser: Das erfrischende Nass löscht nicht nur den Durst, es erfüllt auch wichtige Aufgaben im Körper

Zum Thema Trinken kursieren zahlreiche Gerüchte. Manche stimmen, andere nicht. Zeit, diese Aussagen einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Wasser ist für den Körper lebenswichtig.

Ja, absolut. „ Wasser wird für die verschiedensten Stoffwechselvorgänge benötigt“, sagt Dr. Andreas Leodolter, Gastroenterologe am Sana-Klinikum Remscheid. Außerdem sei es – als Hauptbestandteil des Urins – ein sehr wichtiges Medium, um Giftstoffe auszuscheiden. Der Mensch kann zwar ohne feste Nahrung einige Zeit überleben. Ohne Wasser jedoch nur wenige Tage. Das Lebenselixier ist mengenmäßig der wichtigste Bestandteil des Körpers.

Wir sollten zwei bis drei Liter Wasser pro Tag trinken.

Diese Aussage führt ein wenig in die Irre. In der Tat benötigt ein Mensch im Durchschnitt zwischen zwei und drei Liter Flüssigkeit täglich. Allerdings muss er davon nur gut 1,5 Liter in Form von Getränken zu sich nehmen. Etwa einen weiteren Liter nimmt er durch Wasser auf, das im Essen gebunden ist. Ein kleiner Teil entsteht zudem bei Stoffwechselprozessen im Körper selbst. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) in Bonn empfiehlt, mindestens 1,3 bis 1,5 Liter Flüssigkeit in Form von Getränken zuzuführen. Bevorzugt als Wasser oder ungesüßter Tee, da beide keine Kalorien enthalten.



Wichtig: Im Alter nicht das Trinken vergessen!

Wer jedoch Sport treibt, protein- oder kochsalzreich isst sowie trockener, kalter Luft ausgesetzt ist, braucht deutlich mehr Wasser. Der Bedarf steigt ebenso an heißen Tagen oder wenn der Körper anderweitig mehr Flüssigkeit verliert. Der Bedarf kann dann an auf mehrere Liter ansteigen.

Laut der DGE hängt die Menge, die ein Mensch pro Tag trinken sollte, zudem vom Alter ab. Babys bräuchten zum Beispiel – bezogen auf ihr Körpergewicht – mehr Flüssigkeit als ein junger Erwachsener. Ein 30-Jähriger mehr als ein 70-Jähriger. Es gibt jedoch auch Menschen, die nicht zu viel trinken sollten. Das betrifft vor allem jene, die an bestimmten Herz- oder Nierenkrankheiten leiden. Sie müssen die Trinkmenge individuell mit ihrem Arzt besprechen.

Wer Sport treibt, sollte schon vor dem Durst trinken.

Dazu gibt es verschiedene Theorien. „Die generelle Meinung ist, bereits vor dem Durst zu trinken, damit der Wasserhaushalt ausgeglichen bleibt“, erklärt Professor Winfried Banzer, Sportmediziner im Institut für Sportwissenschaften an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt. Der Hintergrund: Der Mensch verspürt Durst, wenn der Organismus mehr Flüssigkeit verliert als ihm zugeführt wird. Bereits ein leichter Wassermangel führt dazu, dass unter anderem die Muskelzellen schlechter mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden. Folglich sind die Muskeln weniger leistungsfähig. Zudem, so schreibt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, kann das Durstgefühl bei Sportlern abgeschwächt sein.

„Es gibt allerdings auch Hinweise, dass Sportler erst trinken sollten, wenn sie Durst verspüren“, sagt Sportmediziner Banzer. So ließe die Leistungsfähigkeit bei einigen Hochleistungssportlern nicht nach, auch wenn sie leicht dehydriert seien. Was vielleicht für einen Langstreckenläufer zutrifft, muss aber nicht für Hobbysportler gelten. Deshalb lieber rechtzeitig trinken!

Wichtig: Direkt vor dem Sport nur ein paar Schlucke trinken. Ein halber Liter Wasser im Magen würde das Joggen unnötig erschweren. Wer sich zum Beispiel zu einer längeren Radtour aufmacht, muss auch unterwegs regelmäßig kleine Mengen trinken.

Wer viel Wasser trinkt, nimmt leichter ab.

Da ist wohl tatsächlich etwas dran. Dr. Michael Boschmann, Arzt und Wissenschaftler an der Charité Berlin, hat zu diesem Thema bereits mehrere Studien veröffentlicht. Die erste Studie an 14 Normalgewichtigen ergab, dass Wassertrinken den Energieumsatz im Körper erhöht. Tranken die Probanden einen halben Liter zimmerwarmes Wasser, verbrauchte der Organismus Energie und setzte dabei im Durchschnitt 50 Kilokalorien um. Trinkt ein Mensch etwa 1,5 Liter Wasser am Tag, kann er dadurch – rein rechnerisch – rund 150 Kilokalorien extra verbrennen. Das entspricht zirka vier bis acht Prozent des gesamten täglichen Energieumsatzes. Wie es zu dem gesteigerten Kalorienverbrauch kommt, erklärt Boschmann so: "Zu etwa einem Drittel liegt es daran, dass das Wasser nach dem Trinken auf Körpertemperatur erwärmt wird." Zwei Drittel dieses Effekts seien endogener Natur.

Boschmann wiederholte das Experiment mit neun Übergewichtigen. Ergebnis: Der Effekt war zwar geringer, doch verbrauchten die Probanden auch zwischen 10 und 30 Kilokalorien pro 0,5 Liter zimmerwarmen Trinkwasser. Sein Fazit: "Ob das tägliche Trinken von Wasser eine Gewichtsreduktion wirkungsvoll unterstützen kann, ist bisher noch unklar." Auf jeden Fall sei es eine gute Strategie, um Übergewicht vorzubeugen.

Wer zu wenig trinkt, bekommt Verstopfung.

Das trifft nicht auf jeden Menschen zu, aber auf viele. „Hat der Körper Bedarf an Flüssigkeit, entzieht er dem Dickdarm Wasser“, erklärt Gastroenterologe Leodolter. Folglich wird der Darminhalt eingedickt und es kann zu Verstopfung kommen. Wer ausreichend trinkt, beugt also hartem Stuhl vor. Es gebe jedoch auch Menschen, die wenig trinken und trotzdem keine Probleme mit ihrer Verdauung haben, merkt Leodolter an.

Wer erkältet ist oder Durchfall hat, sollte besonders viel Flüssigkeit zu sich nehmen.

Stimmt. „Hat jemand Durchfall, kann er erhebliche Mengen Wasser verlieren“, weiß der Remscheider Magen-Darm-Spezialist. Zudem büßt der Körper wichtige Salze ein, die ebenfalls in großer Zahl ausgeschieden werden können. Der Bedarf an Wasser könne laut Leodolter daher auf bis zu drei bis vier Liter ansteigen. In der Apotheke gibt es spezielle Lösungen, die helfen, Wasser und Salze in optimaler Menge zu ersetzen. Wen Schnupfen, Husten oder Fieber plagen, der verliert zwar nicht so große Mengen Flüssigkeit wie bei Durchfall. Nichts desto trotz sollten Erkältete auch da ausreichend trinken – ob Wasser oder einen warmen ungesüßten Kräutertee.

Werden wir älter, trinken wir oft zu wenig.

Richtig. Der Körper braucht zwar im Alter weniger Wasser, da unter anderem sein Grundumsatz sinkt. „Doch das Durstgefühl nimmt ab“, sagt Leodolter. Manche trinken so wenig, dass der Körper unter einem gefährlichen Flüssigkeitsmangel leidet. Dadurch trocknen nicht nur Haut und Schleimhaut aus. Ältere Herrschaften sind auch plötzlich verwirrt oder ihr Kreislauf sackt zusammen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt Menschen ab einem Alter von 65 Jahren, täglich gut 1,3 Liter Flüssigkeit in Form von Getränken zu sich zu nehmen. Wem Wasser zu fad schmeckt, der kann auch eine verdünnte Fruchtsaftschorle trinken, Tee oder eine Tasse Kaffee.

Wie für jeden Menschen, gilt auch für Ältere: Sport, hohe Temperaturen, kalte trockene Luft und bestimmte Essensvorlieben erhöhen den Trinkbedarf! Bestimmte Krankheiten können es nötig machen, die Trinkmenge zu beschränken.

Wer destilliertes Wasser trinkt, riskiert sein Leben.

Das trifft nicht direkt zu. „Ein gesunder Erwachsener verträgt durchaus destilliertes Wasser“, sagt Dr. Gisela Olias vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam-Rehbrücke. Horrorgeschichten, die behaupten, die Zellen würden platzen, wenn ein Mensch einen Schluck Aqua destillata tränke, scheinen also übertrieben. Denn der Körper reichert das entsalzte Wasser sozusagen mit Mineralien an, indem er auf die eigenen Reservoire zurückgreift. „Vergiftungserscheinungen könnten dann auftreten, wenn ein Mensch stark schwitzt und ausschließlich große Mengen destilliertes Wasser zu sich nehmen würde“, merkt Olias an. In diesem Fall würde der Körper sehr viel Salz verlieren, aber kein neues erhalten. Der Salz-Wasserhaushalt könnte entgleisen. Olias hält jedoch nichts davon, dauerhaft auf destilliertes Wasser zu setzen. Denn, auch wenn keine akute Lebensgefahr besteht, so riskieren Destillat-Trinker langfristig, dass wichtige Salze verloren gehen und der Elektrolythaushalt durcheinander gerät. Insbesondere, wenn sie sich auch noch einseitig ernähren.

Mineralwasser ist besser als Leitungswasser.

Das lässt sich pauschal nicht sagen. Denn zum einen gibt es hunderte heimischer Mineralwässer, die sich in Gehalt und Art der enthaltenen Mineralstoffe unterscheiden. Zum anderen stammt das Leitungswasser, das wir daheim aus dem Hahn zapfen, ebenfalls aus verschiedenen Quellen. Ob das lokale Wasserwerk es nun aus Grundwasser, Flüssen oder Stauseen gewinnt.

Oliver Schmoll, der das Fachgebiet „übergreifende Angelegenheiten der Trinkwasserhygiene“ beim Umweltbundesamt in Bad Elster leitet, bescheinigt dem deutschen Leitungswasser gute Noten: „Die Trinkwasserqualität ist in Deutschland sehr gut.“  Das geht auch aus dem Qualitätsbericht zur heimischen Trinkwasserversorgung hervor, den das Umweltbundesamt zusammen mit dem Bundesgesundheitsministerium erstellt hat. Demnach halten sich mehr als 99 Prozent der 2600 untersuchten Wasserversorgungsanlagen an die strengen gesetzlichen Anforderungen. Wer kein spezielles Mineralwasser bevorzugt, ob aus Gründen des Geschmacks oder der zugesetzten Kohlensäure, kann mit gutem Gewissen Leitungswasser trinken. Schmoll rät, dass „Verbraucher morgens den Hahn so lange aufdrehen, bis das Leitungswasser merklich kühler wird“. Dann schmecke es nicht abgestanden, sondern frisch. Außerdem verschwinden mögliche Rückstände aus alten Leitungen im Abfluss.



Dr. Martina Melzer / www.apotheken-umschau.de; 23.08.2010, aktualisiert am 27.10.2011
Bildnachweis: Thinkstock/iStockphoto, iStock/Shironosov

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